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Tag 4

 

Der Abend in Sighetu Marmatiei war schön. In den Gassen der Stadt gönnen wir uns noch ein Gutenachtbier gegenĂŒber des Memorial Sighet. Geschlafen haben wir hervorragend im Hotel Buti und wir bereuen fast, das wir nach einem guten FrĂŒhstĂŒck wieder weiter mĂŒssen. Leider finden wir heute nicht die Zeit fĂŒr eine Besichtigung der GedenkstĂ€tte, versprechen es uns aber fĂŒr das nĂ€chste mal.

Das Memorial Sighet ist eine GedenkstĂ€tte fĂŒr die Opfer des Kommunismus und des antikommunistischen Widerstands in RumĂ€nien. Die GedenkstĂ€tte befindet sich in Sighetu Marmației, im Ă€ußersten Norden RumĂ€niens, unmittelbar an der Grenze zu der heutigen Ukraine (in der kommunistischen Zeit an der Grenze zur Sowjetunion), im GebĂ€ude der ehemaligen Strafvollzugsanstalt. Das Memorial Sighet wurde 1993 von der Vorsitzenden der BĂŒrger-Allianz, der Schriftstellerin Ana Blandiana, initiiert und in den folgenden zehn Jahren eingerichtet und eröffnet. Die GedenkstĂ€tte steht seit 1995 unter der Schirmherrschaft des Europarats. Dieser benannte das Memorial Sighet in einem Bericht von 1998 als eine der wichtigsten GedenkstĂ€tten Europas und verurteilte in dem Beschluss vom Januar 2006 die Verbrechen aller kommunistischen Regime in Europa. Bis 1997 war das Memorial vielerlei Druck von Seiten der postkommunistischen Regierung unter Ion Iliescu ausgesetzt und wurde auch öffentlich als Verkauf der Geschichte des Landes an westliche Interessen gebrandmarkt. Seit 1997 sind das dort prĂ€sentierte Geschichtsbild und die Institution selbst als von nationaler Bedeutung jedoch offiziell anerkannt und werden von der Regierung unterstĂŒtzt.

Die Region von Sighet war bereits in der Bronzezeit von Menschen besiedelt. Es gab eine sehr wichtige Verbindung in das Tal der Theiß. Die ersten Zeugnisse einer festen Ansiedlung stammen aus dem 11. Jahrhundert. Der ungarische König Ladislaus IV. siedelte zwischen 1272 und 1290 die ersten RumĂ€nen dort an. Die Dragoă-Familie aus Maramureș war die GrĂŒnderin des FĂŒrstentums Moldau. Im Jahr 1352 war die Stadt eine freie Königsstadt und wurde die Hauptstadt des Landes MĂĄramaros. Ab 1556 wurde die Siedlung – wie auch die Burg von Huszt – zur Residenzstadt der FĂŒrsten von SiebenbĂŒrgen. Von 1570 bis 1733 wurde die Stadt dann Teil des GroßfĂŒrstentums SiebenbĂŒrgen. Im Jahr 1733 wurde MĂĄramarossziget durch den ungarischen König Karl III. wieder Bestandteil des Königreiches Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg kam SiebenbĂŒrgen gemĂ€ĂŸ dem Vertrag von Trianon zu RumĂ€nien, aber nach dem zweiten Wiener Schiedsspruch von 1940 war es wieder Bestandteil von Ungarn. Die ungarische Besatzungsregierung deportierte bis zum Jahr 1944 mehr als 20.000 Juden von Sighet nach Auschwitz und andere Konzentrationslager. Heutzutage leben nur noch etwa 100 Juden in der Stadt. GemĂ€ĂŸ dem Pariser Vertrag nach dem Zweiten Weltkrieg kam SiebenbĂŒrgen wieder zu RumĂ€nien, so dass die Stadt von 1952 bis 1960 Teil des Kreises Baia Mare wurde. Seit 1968 ist sie schließlich Bestandteil des Kreises Maramureș. Seit 1997 existiert hier das Memorial Sighet, eine GedenkstĂ€tte fĂŒr die Opfer des Kommunismus und des Widerstandes. (Quelle: Wikipedia)

Wir wollen jedoch heute noch nach Vatra Dornei zu Tibi. Auf der Fahrt dahin möchten wir noch eine Klosteranlage besichtigen die wir 2013 zufĂ€llig entdeckt hatten. Also biegen wir auf eine Straße ein, die uns ordentlich durch schĂŒtteln. Trotz zweier Navis gelingt es uns nicht, die Anlage zu finden. DafĂŒr probieren wir zwei Offroadeinlagen die uns aber auch nicht weiter bringen. Irgendwann geben wir dann aber ein wenig genervt auf, da es im Anzug Sauna Ă€hnliche VerhĂ€ltnisse annimmt. Eine Auswertung der Aufzeichung unserer GPS-Daten zeigt jedoch, das wir bei unserem zweiten Offroadversuch auf dem richtigen Pfad waren. FĂŒr alle jene, die die Klosteranlage interressiert, hier noch einmal der Hinweis auf den Abstecher von 2013. Die Strecke ist tatsĂ€chlich nur was fĂŒr offroad-taugliche Maschinen, unsere Straßenmaschinen sind hier an ihre Grenzen gekommen, da zu viel loser, unverdichteter Schotter auf den Feldwegen lag.

Unser nĂ€chstes Ziel ist der Prisloppass. Wir folgen also erst der DN17C, wo wir, wie sollte es anders sein, an einer Klosteranlage vorbei kommen. Das bunte Dach fasziniert mich und ich halte fĂŒr ein Foto. Franz bemerkt meinen kurzen Stop und wartet, der Rest nicht. Wir fahren der geplanten Route weiter nach und treffen Stefan an einer ... richtig! Klosteranlage beim fotografieren.  Wiederum der Rest ist bereits vorraus gefahren, aber wir holen sie kurz darauf ein, bevor wir auf die DN18 in Richtung Prislop Pass fahren. Der Pass hat fĂŒr uns an diesem Tag eine Überraschung zu bieten, die wir lange nicht vergessen werden. Die Strecke auf den Prislop von Westen her ist anspruchsvoll. Die Straße ist schlecht, der Boden wellig und ich sitze zwei mal mit meiner Adventure auf und das bei dem Federweg. Oben angekommen, fotografieren wir ein Kloster, wir haben schließlich Übung darin und gehen gegenĂŒber in ein kleines Lokal, das als solches von außen gar nicht zu erkennen ist. Es ist das Cabana Alpina. Die Wirtin ist freundlich, der Garten schön und wir albern ein wenig herum. Wir lernen noch ihren Sohn kennen, der vor zwei Jahren einen schweren Autounfall hatte und sich ins Leben zurĂŒck kĂ€mpft, er spricht sehr gut deutsch. Bevor wir alle wieder aufbrechen, unternehme ich eine kleine Offroadeinlage auf den Gipfel.

Der Prisloppass (rumĂ€nisch Pasul Prislop) ist ein Gebirgspass in den rumĂ€nischen Ostkarpaten nahe an der Grenze zur Ukraine, auf einer Höhe von 1416 m. Wegen des nahe gelegenen, 1611 Meter hohen Berges Stiol des Rodnaer Gebirges (Munții Rodnei) wird der Prislop-Pass auch Stiol-Pass genannt. Im Norden RumĂ€niens grenzt der etwa 50 Kilometer lange Pass das Rodna-Gebirge im Norden von dem Maramureș-Gebirge (Munții Maramureșului) im SĂŒden ab. Der Prislop-Pass verbindet die Kleinstadt Borșa im Kreis Maramureș, mit der 53 Kilometer sĂŒdöstlich gelegenen Gemeinde CĂąrlibaba im Kreis Suceava in der historischen Region Bukowina. Der Gebirgspass ist Teil der 221 Kilometer langen Nationalstraße (drum național) DN 18, welche von Baia Mare ĂŒber Sighetu Marmației, Vișeu de Sus (Oberwischau) ĂŒber Borșa nach Iacobeni – eine Gemeinde im Kreis Suceava – verlĂ€uft. Ab Borșa verlĂ€uft der Prislop-Pass entlang am Oberlauf des Vișeu und ab höchster Stelle auf dem sogenannten Munți Prislop, der gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Theiß und Sereth bildet, entlang der Bistrița in sĂŒdöstliche Richtung. An höchster Stelle des Prislop-Passes, nahe der Fahrbahn, befindet sich ein Kloster und ein Denkmal. Wegen religiöser Zugehörigkeit des Klosters SfĂąnta Treime, mit dessen Bau vor etwa zehn bis zwölf begonnen wurde, werden immer wieder Streitigkeiten zwischen der orthodoxen- und der griechisch-katholischen Kirche gefĂŒhrt.

Auf dem Weg nach unten verfolgen wir dann die Bistrita. Die Bistrița (deutsch Bistritz oder Bistritza) ist ein rechter Nebenfluss des Sereth in RumĂ€nien. Sie entspringt als Bistrița Aurie („Goldene Bistritz“) im Rodnaer Gebirge (rum. Munții Rodnei, ung. Radnai-havasok) und durchströmt die ganze Breite der Ostkarpaten in der Region Moldau (rum. Moldova), kreuzt ein StĂŒck der ehemaligen Bukowina und mĂŒndet dann unterhalb von Bacău von rechts in den Sereth, welcher wiederum bei Galați in die Donau und diese wenig spĂ€ter in das Schwarze Meer mĂŒndet. Der Fluss hat eine LĂ€nge von 290 km, ein Einzugsgebiet von 6974 kmÂČ und (kurz von seiner MĂŒndung in den Sereth) eine WasserfĂŒhrung von 66 mÂł/s. Im Verlauf des Flusses liegt der zwischen 1950 und 1960 errichtete Stausee Izvorul Muntelui, der eine FlĂ€che von 33 kmÂČ bedeckt. (Quelle: Wikipedia)

Nach gut einer Stunde Pause geht es an die Abfahrt. Ich bin die Straße bis jetzt zwei mal gefahren, heute das dritte mal und ich kann sagen, sie ist nicht besser geworden. Aus der Erfahrung von unserer Abfahrt rate ich deshalb allen Interessierten, die hier runter mĂŒssen, zu grĂ¶ĂŸter Vorsicht.

 Am Abend gegen 20:30 Uhr erreichen dann auch wir unser Ziel. Wir sind bei Tibi und seine Familie empfĂ€ngt uns so herzlich, ganz so als gehören wir schon ewig zur Familie. Wir grillen und sitzen in der Laube bis spĂ€t in die Nacht.

Gefahrene Strecke an diesem Tag: 215 km

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