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Tag 12

 

 

Die Nacht war hei├č. Richtig hei├č. Genauer gesagt, das Zimmer. Ich liege wach, kann nicht schlafen. Von 1 Uhr bis 4 Uhr, nicht daran zu denken. Dann kommt mir die Idee! Was macht man bei Fieber? Richtig, Wadenwickel. Ich gehe ins Bad, mache ein Handtuch nass, wickle es mir um die Wadel und schlafe innerhalb von wenig Minuten ein. Um halb 6 bin ich allerdings schon wieder wach, die Hitze ist zur├╝ck und ich beschlie├če zu duschen. Alle anderen s├Ągen noch das Brennholz f├╝r den Winter. Um 6 Uhr (Abfahrt f├╝r den heutigen Tag war f├╝r 7:30 Uhr geplant) packe ich mein Zeug und gehe runter zum Bike. Ich mache noch eine kleine Fotosafari und trinke auf der Meile zwei Kaffee. P├╝nktlich um 7:30 Uhr bin ich wieder am Hotel und alle anderen hatten keinen Kaffee, haben aber schon fertig gepackt und sind abfahrbereit. Der fr├╝he Vogel f├Ąngt eben den Wurm. Der Blick in Richtung Westen l├Ąsst allerdings nichts gutes ahnen. Die Gewitterwolken h├Ąngen schwer am Himmel. Und genau das ist unsere Richtung. Zuerst die 50 km nach Norden ├╝ber Constanta auf die Autobahn nach Bukarest. Die Autobahn in Rum├Ąnien ist f├╝r Motorr├Ąder frei, alle anderen m├╝ssen zahlen. Und das merkt Mann. Die Autobahn ist so leer, wir zuletzt bei uns in den 70ern, w├Ąhrend der Erd├Âlkrise im November 1973.

Heute wollen wir Kilometer fressen und bis n├Ârdlich von Bukarest durch ziehen. Wir fahren mit erlaubten 130 km/h Richtung Westen, bis die Transe einen "Schoass" l├Ąsst. Schwarze Wolke aus dem Auspuff, ein wenig rudern am Gashebel, die Transe ist aus, springt wieder an und es geht weiter. Sind wir jedoch wieder schneller als 110 km/h, das selbe Spiel. Drehen am Gashebel, ein ordentlicher "Schoass" mit Schwarz aus dem Auspuff und es geht wieder weiter. Das verhalten legt die Transe nicht mehr ab, verrichtet aber bei 110 km/h ihren Dienst ordentlich.

Die dunklen Wolken, die wir am morgen bei der Abfahrt sahen sind pl├Âtzlich da, oder wir sind bei den Wolken, wie auch immer. Es regnet leicht, dann st├Ąrker, dann voll und ich hasse Regen. Franz nicht. Nach 250 Kilometer erreichen wir Bukarest, ich bin nass, Franz nicht. Leider gibt es in Bukarest keinen geschlossenen Ring, so das wir von der Autobahn runter m├╝ssen und uns durch den Stadtverkehr der 2 Millionen Metropole qu├Ąlen m├╝ssen. F├Ąrerweise muss ich sagen, das wir schon auf einem Ring gefahren sind, eben auf dem DNC8, er ist aber eine Katastrophe zu fahren. Stop and Go auf 10 km l├Ąnge und LKW's so weit das Auge reicht. ├ťber die DNC8 erreichen wir dann die A3. Wir fahren nach Norden in Richtung Brasov. Auf der A3 kommen uns abermals riesige, schwarze Wolken entgegen und ich erwische gerade noch eine Ausfahrt um das Regenzeug dr├╝ber zu ziehen. Ins letzte Teil des Regenkombis rein geschlupft, f├Ąngt es schon an, mit Tropfen so gro├č wie Wachteleier. Nach 20 Minuten ist es vorbei und wir ziehen nach 80 km das Regengewand aus. Es ist das einzige und letzte mal, das wir in unserem Urlaub von au├čen nass werden, Swimmingpool nicht mitgerechnet.

Nach 360 km durch die Ebene, wird es nun endlich wieder h├╝geliger. Bei Campina erreichen wir wieder die Karparten. Wir machen vom schwarezen Meer aus ├╝ber 1075 H├Âhenmeter bis Predeal und nach Bran gehts dann noch mal auf 1250 Meter NN hoch. Und H├Âhenmeter hei├čen bekanntlich Kurven, wir haben sie die letzten Tage vermisst. An diesem Tag fahren wir ├╝ber 560 km, einen wahren Marathon, mit Regen, Sonne und einem genervten "Reiseleiter". An einer Tankstelle will ich nicht mehr weiter, mir reicht es eigentlich f├╝r Heute und ├ťberhaupt und f├╝rs Leben. Meine Mitstreiter g├Ânnen mir ein wenig Pause und ├╝berreden mich dann doch noch, weiter zu fahren. So erreichen wir am Nachmittag dann Bran, wo Aurelia und Gunther die T├Ârzburg besichtigen, w├Ąhrend wir ein Draculabier trinken. In Bran ist alles Kommerz rund um die T├Ârzburg. Wir ben├Âtigen einen Parkplatz f├╝r die Bikes (2 Lei die Stunde, pro Radl).

Bran (deutsch T├Ârzburg, ungarisch T├Ârcsv├ír) ist eine Gemeinde in Siebenb├╝rgen, Rum├Ąnien, und liegt im Kreis Bra╚Öov. Der 30 Kilometer von der Stadt Bra╚Öov (Kronstadt) entfernte Ort wurde durch sein Schloss, das oberhalb der Ortschaft liegt, bekannt. Das Schloss Bran liegt hoch auf einem steilen Felsen ├╝ber der Schlucht und der Stra├če, die Siebenb├╝rgen mit der Walachei verbindet. Der Bau wurde 1377 beschlossen und anschlie├čend ausgef├╝hrt. Das Schloss wird Touristen immer wieder als Draculaschloss pr├Ąsentiert; es wird jedoch davon ausgegangen, dass Vlad III. Dr─âculea, dessen Herrschaft sich nicht auf dieses innerhalb des Karpatenbogens liegende Gebiet erstreckte, es nie betreten hat. Anderen Quellen zufolge hat er dort eine einzige Nacht in Gefangenschaft verbracht, als es noch Kronstadt geh├Ârte. Es erinnert jedoch sehr an die Beschreibung von Draculas Burg aus Bram Stokers gleichnamigem Roman.

Kronstadt als damaliger Eigent├╝mer schenkte die T├Ârzburg 1920 K├Ânigin Maria, der Gattin von K├Ânig Ferdinand I. Deren Tochter, Prinzessin Ileana, erbte das Schloss. Nach dem Zweiten Weltkrieg vom kommunistischen Rum├Ąnien ├╝bernommen, wurde Schloss Bran (bzw. die T├Ârzburg) am 18. Mai 2006 mit einer offiziellen Zeremonie an Dominic von Habsburg, den Sohn und Erben von Prinzessin Ileana und Anton von Habsburg (aus der toskanischen Linie) ├╝bergeben. Bedingung war, dass das Schloss drei Jahre lang ein Museum bleibe. Habsburg hat die T├Ârzburg gemeinsam mit seinen Schwestern und Mit-Erbinnen Maria Magdalena Holzhausen und Elisabeth Sandhofer am 1. Juni 2009 als Museum wiederer├Âffnet. Ausgestellt sind Objekte und M├Âbel aus dem Besitz der Familie Habsburg, darunter die Krone, ein Zepter und ein Silberdolch von K├Ânig Ferdinand. Im Schlossturm wird ein Luxusappartement f├╝r ├ťbernachtungen vermietet. Die urspr├╝nglichen Exponate des Schlosses aus seiner Zeit im Staatsbesitz wurden vom Kulturministerium in ein neues Museum im benachbarten Zollhaus (ehem. Grenze ├ľsterreich-Ungarn/Rum├Ąnien) mitgenommen. (Quelle: Wikipedia)

Nach dem die Beiden wieder zur├╝ck sind, fahren wir doch noch bis zu unserem geplanten Ziel nach Curtea de Arges. Wir fahren von Bran aus die DN73 in Richtung s├╝dwest. Die Stra├če ist fantastisch zu fahren, Kurven reichlich, Belag in Ordnung, lanschaftlich grandios. Links und Rechts des Bergr├╝ckens ziehen beeindruckende Kulturlandschaften an uns vorbei. Kurz vor Valea Mare Pravat ist auf der linken Seite ein Mausoleum, das Mausoleul de la Mateia╚Ö zu finden.

Hierr├╝ber habe ich zwar keine Informationen gefunden, ich deute die rum├Ąnische Wikipediaseite aber so: Dort liegen die Gebeine von ├╝ber 2300 rum├Ąnischen Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Das Mausoleum entstand in der Zeit zweischen 1928 und 1935. Erbaut wurde es von dem Architekten Dumitru Ionescu-Bereche. Wir besichtigen die Kulturst├Ątte vom Parkplatz aus, denn uns fehlt schlicht die Zeit, leider wie so oft. Nach einer Zigarettenpause fahren wir weiter.

Bei Costita verlassen wir die DN73 und fahren die Abk├╝rzung DN73C nach Curtea de Arges. Die DN73C ist kurvig, das ist aber schon alles. Kurvenlagen sind hier schwer m├Âglich. Wer aber nicht "unten rum" ├╝ber Pitesti fahren will, dem bleibt hier nicht viel mehr ├╝brig, als den holprigen Weg zu nehmen. Zumindest ist er befestigt. Am Abend erreichen wir gegen 19:30 Uhr Curtea de Arges, wo wir die Pensiunea Montana aufsuchen. Marcus und Tom Tom waren ein paar Tage vor uns da und haben sie uns empfohlen. Wir bekommen tats├Ąchlich noch ein Dreibettzimmer und ein Doppelzimmer. Am Abend treffen wir uns auf der Terrasse und essen noch Pizza und Pasta. Was f├╝r ein Tag.

Curtea de Arge╚Ö (deutsch Argisch) ist eine rum├Ąnische Stadt im Kreis Arge╚Ö und liegt am rechten Ufer des Flusses Arge╚Ö, der hier durch ein Tal der S├╝dkarpaten flie├čt. Die Stadt ist eine der ├Ąltesten in Rum├Ąnien. Gem├Ą├č einer ├ťberlieferung wurde sie im 14. Jahrhundert vom F├╝rsten Radu Negru gegr├╝ndet, der sie im Folgenden zur erste Hauptstadt des F├╝rstentums Walachei ernannte. Daher erhielt sie auch den Namen Curtea (dt. Hof). In der Stadt gibt es mehrere historische Kirchenbauten. Ende des 18. Jahrhunderts entstand ein Bischofssitz. Die Kathedrale von Curtea de Arge╚Ö (M─ân─âstirea Curtea de Arge╚Ö, Catedrala Curtea de Arge╚Ö) ist eines der ber├╝hmtesten Geb├Ąude in Rum├Ąnien. Sie steht auf den Grundmauern eines Klosters und liegt ungef├Ąhr anderthalb Kilometer n├Ârdlich der Stadt. Sie ├Ąhnelt einem sehr gro├čen und kunstvollen Mausoleum und wurde im byzantinischen Stil mit maurischen Arabesken erbaut. (Quelle: Wikipedia)

 

Gefahrene Kilometer an diesem Tag: 560 km

 

 

 

 

 
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